Leitgedanken der Aidshilfe GIEßEN e.V.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Artikel 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland


„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“


„Jeder Mensch hat das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf durch innerstaatliche Maßnahmen ... in den Genuss der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rechte zu gelangen, die für sein

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte


„Gesundheit ist für alle Bürger der Welt ein grundlegendes Menschrecht“

Werte und Grundsätze der Weltgesundheitsorganisation


Menschen die ... behindert ... sind haben zur Förderung ihrer Selbstbestimmung und gleichberechtigten Teilhabe ein Recht auf Hilfe, die notwendig ist, um ...ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft und

§ 10 Sozialgesetzbuch


 

Diese menschlichen Rechte macht die AIDS-Hilfe Gießen zur Grundlage ihrer Arbeit. Sie postuliert ein Recht auf Gesundheit und Teilhabe an gesundheitsfördernden Ressourcen, auf soziale Sicherheit und die Schaffung der notwendigen Voraussetzungen zur freien Entfaltung der Persönlichkeit. Die AIDS-Hilfe Gießen handelt damit aus einer humanistischen Grundeinstellung heraus und weist alle Denkmuster zurück, die dem humanistischen Menschenbild widersprechen. Sie wendet sich gegen die Entwertung menschlicher Grundrechte durch zunehmende Kommerzialisierung und Ökonomisierung.

Die AIDS-Hilfe Gießen hat also eine tolerante, weltoffene Grundhaltung und lebt diese auf allen Ebenen ihres Wirkens.

Partizipation der NutzerInnen, der Mitglieder, des Vorstandes, des Gemeinwesens und der KooperationspartnerInnen ist gewollt und möglich. Kompetenzen und Interessen von Betroffenen, von Institutionen, Selbsthilfegruppen  und Gruppierungen, die die Interessen unserer Zielgruppen vertreten, werden in die Arbeit einbezogen.

Damit lädt die AIDS-Hilfe Gießen für die Ausgestaltung des Wirkens und Handelns auf allen Ebenen zu Teilhabe und Mitgestaltung ein. Zu diesem Zweck hat sich die AIDS-Hilfe Gießen die Rechtsform eines eingetragenen Vereins gegeben. Sie arbeitet vernetzt und versteht sich als Teil einer sozialen Bewegung.

Die AIDS-Hilfe Gießen erhebt im Umgang mit den Klienten keinen Alleinvertretungsanspruch, sondern schätzt die Kompetenz der externen Kooperationspartner und bildet stabile Arbeitsbündnisse auf der Basis von Gleichberechtigung soweit dies im Einzelfalle von den Klienten gewünscht ist.

Selbstbestimmung, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, gesundheitlich, sexuell und in den individuellen Vorstellungen von Glück und gelingendem Leben wird von der AIDS-Hilfe Gießen geachtet und gefördert. Sie sieht die Grenzen der Selbstbestimmung nur in der Selbstbestimmung und Würde anderer Menschen gesetzt, nicht aber in gesellschaftlichen Erwartungen.

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als „einen Zustand des völligen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur (als) das Freisein von Krankheit oder Gebrechen. Für die AIDS-Hilfe Gießen sind Gesundheit oder Krankheit nicht alleine an medizinischer Diagnostik festzumachen. Zum Gesundheitsbegriff zählt die AIDS-Hilfe Gießen auch die selbstbestimmte und individuelle Vorstellung von Gesundheit, entsprechend der Ottawa Charta, nach der "Gesundheitsförderung auf einen Prozess zielt, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können. In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit steht für ein positives Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen für die Gesundheit ebenso betont wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur bei dem Gesundheitssektor, sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden"

Die AIDS-Hilfe Gießen versteht ihr Wirken als gesellschaftspolitische Arbeit und damit als Gegenbewegung zur Tabuisierung des Themas AIDS und der damit verbundenen Phänomene wie Ausgrenzung, Intoleranz und Diskriminierung. AIDS bleibt als Thema in der Gesellschaft präsent.

Mit ihrem strukturellen Präventionsansatz ist die AIDS-Hilfe Gießen dem Konsens in der Weltgesundheitsorganisation entsprechend gesundheitspolitisch und gesundheitswissenschaftlich in das Konzept lebensweltorientierter Gesundheitsförderung eingebunden. Strukturelle Prävention bezeichnet auf gesellschaftspolitischer Ebene das Einwirken auf diejenigen gesellschaftlichen Strukturen, die dem Schutz vor neuen Infektionen und gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen bei bestehender Infektion entgegenstehen.

Die AIDS-Hilfe Gießen ist parteilich mit den Betroffenen und den von einer möglichen Infektion bedrohten Hauptbetroffenengruppen und tritt Ausgrenzungs-, Entwertungs- und Gewaltstrukturen aktiv entgegen.

In ihrer praktischen Arbeit lässt sich die AIDS-Hilfe Gießen von der Idee der Lebensweisenakzeptanz leiten.

Die Grundhaltung der BeraterInnen zeichnet sich durch Empathie, Akzeptanz und unbedingtes Wohlwollen gegenüber den KlientInnen aus. Die Beratungsformen müssen sich an der Lebenswirklichkeit derer orientieren, die Beratung aufsuchen. Lebensweisenakzeptanz ist ein ethisches, aber auch ein pragmatisches Muss in der Beratungsarbeit der AIDS-Hilfe Gießen. Sie ist Voraussetzung gelingender Prävention und Beratung, da Wege aus Krisen nur im Kontext persönlicher Wirklichkeit, persönlicher Bedürfnisse und persönlicher Wünsche denkbar sind. Die Arbeit soll die Klienten in ihrer Lebensgestaltung stärken und zu ihrer Emanzipation beitragen. Die Beratung steht allen offen, unabhängig ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Heimat und Herkunft sowie ihrer religiösen und politischen Anschauungen. Diskriminierung beeinträchtigt Lebensqualität und erschwert einen selbstbestimmten Umgang mit Risiken und Erkrankungen. Die AIDS-Hilfe Gießen betrachtet es als ihre Aufgabe, an der Schaffung von Angeboten, Strukturen und Alternativen mitzuwirken, die Chancen für eine wirkliche Wahl der Lebensweise bieten. Hierbei steht die Emanzipation und die Befähigung zur Selbsthilfe im Vordergrund. Die Lebenswirklichkeit der KlientInnen wird in den Selbsthilfekontext einbezogen. Hierzu gehören auch die soziale Wahlfamilie, Communities und Subkulturen der Betroffenen. Die KlientInnen werden in ihren Fähigkeiten unterstützt und in die Arbeit am Beratungserfolg einbezogen.

Die AIDS-Hilfe Gießen setzt auf kompetente Aufklärung und in ihrer Arbeit auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Das Agieren mit bewussten oder unbewussten Ängsten ist für sie keine adäquate Methode.

Die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung von Handlungsautonomie und die Kompetenz, eigenständig zu urteilen, zu entscheiden und zu handeln, haben einen hohen Stellenwert in ihrem Beratungskonzept.

Vorstand, Mitarbeiterteam und ehrenamtliche MitarbeiterInnen handeln nach einem gemeinsamen Arbeitskonzept in den Verbandstraditionen und Leitbildern der AIDS-Hilfe-Bewegung und stimmen ihre Aktivitäten miteinander ab. Die Vorstandsmitglieder stehen den haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen bei der Durchführung ihrer Aufgaben beratend zur Seite. Konkrete Arbeitsinhalte, aktuelle Schwerpunkte und deren Umsetzung werden zunächst vom Team vorstrukturiert und als Arbeitskonzept mit dem Vorstand abgestimmt.

Die Handlungskompetenz liegt bei den einzelnen MitarbeiterInnen. Arbeitsbereiche werden verantwortlich an haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen delegiert. Die hauptamtlichen MitarbeiterInnen arbeiten als Team zusammen. Die AIDS-Hilfe Gießen ist nicht hierarchisch, sondern kollegial und auf Kooperation zielend strukturiert. Die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten sowie die Inhalte delegierter Arbeitsbereiche sind transparent.

Daraus folgt insgesamt ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Eigene Wertvorstellungen können innerhalb der AIDS-Hilfe Gießen gelebt werden solange sie nicht gegen grundlegende Leitgedanken verstoßen.

Die Organisation des Arbeitsplatzes sowie die Arbeitsplatzgestaltung obliegt im Rahmen der bestehenden Ressourcen den MitarbeiterInnen. Die optimale Ausgestaltung des Arbeitsumfeldes wird so gewährleistet, dass zum einen gesundheitliche Beeinträchtigungen vermieden und zum anderen eine angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen wird.

Beziehungsarbeit bildet das zentrale Moment der Arbeit mit KlientInnen. Echtheit und Stimmigkeit sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass diese Beziehungsarbeit gelingen kann. Die AIDS-Hilfe Gießen weiß um die besondere Belastung dieser Art von Tätigkeit für die MitarbeiterInnen. Sie erkennt die persönliche Begrenztheit im Rahmen professioneller Beziehungsarbeit an und stellt aufgrund ihrer Fürsorgepflicht den MitarbeiterInnen alles Notwendige zur Verfügung, diese herausfordernde Arbeit leisten zu können.

Die AIDS-Hilfe Gießen stellt sich immer neu den Fragen, die sich in Zusammenhang mit einem verantwortungsvollen, individuellen, wie auch gemeinschaftlichen Umgang mit dem Thema AIDS ergeben.

Zur Sicherung des Erfolgs der institutionellen Aufgabenbewältigung bestehen innerhalb der AIDS-Hilfe Gießen fortlaufend Prozesse der Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung. Auf der Ebene der MitarbeiterInnen wird die Qualität der Arbeit der AIDS-Hilfe Gießen durch ständige Weiterentwicklung und Reflektion gesichert. Dazu gehört sowohl die Möglichkeit an Supervision und an Fortbildungen teilzunehmen als auch gemäß der Satzung der fachliche und kollegiale Austausch zwischen ehrenamtlichen Vorstand, hauptamtlichen sowie ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

Das Handeln der AIDS-Hilfe Gießen orientiert sich an anerkannten pädagogischen und sozialarbeiterischen Konzepten, die auf die Hilfe zur Selbsthilfe gerichtet sind. Es ist gebunden an die Leitbilder und Verbandstraditionen der bundesweiten wie auch der hessischen AIDS-Hilfe Bewegung und an die vom Bundesverband wie auch dem Landesverband entwickelten Arbeitsstandards und Leitlinien, an deren Fortentwicklung sich die AIDS-Hilfe Gießen beteiligt.


 

Erklärung der Menschenrechte. Im Internet zu finden unter: http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/windexde/TH2004001

 

Weltgesundheitsorganisation, Werte und Grundsätze der „Gesundheit für alle“

Im Internet zu finden unter http://www.euro.who.int/AboutWHO/20021122_3?language=German

 

Präambel der Satzung der Weltgesundheitsorganisation

Im Internet zu finden unter http://www.euro.who.int/AboutWHO/20021122_3?language=German

 

Ottawa Charta von 1986

Im Internet zu finden unter http://www.euro.who.int/AboutWHO/Policy/20010827_2?language=German




Aidshilfe Gießen e.V.
Diezstr. 8
35390 Gießen
Deutschland

fon +49 (0)641/390226
fax +49 (0)641/394476
E-Mail: aidshilfe@hauschildhaus.de
Internet: giessen.aidshilfe.de

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